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Chronik der FFW Brodswinden
Eine wichtige Rolle bei der Brandbekämpfung spielt seit Jahrhunderten die rechtzeitige Feuermeldung. Ursprünglich wurde diese Aufgabe von den Nachtwächtern und Turmwächtern wahrgenommen, die durch Trommeln, Horn blasen oder Glocken läuten die Bewohner zum Löschen gerufen hatten.
Während früher grundsätzlich alle männlichen Einwohner Löschdienst zu verrichten hatten, konnte man später bereits „Spezialisten“ dafür einsetzen. Das waren zuerst bestimmte Zünfte (Zimmerleute, Dachdecker) die ja bereits in sich straff organisiert waren und mit dem vorhandenen Gerät umzugehen wussten. Später entwickelten sich hieraus und aus den „Freiwilligen Brandwachen“, die Freiwillige Feuerwehren.
Vor dem Hintergrund dieser Situation haben sich am Sonntag, 15. Juli 1883 die Bürger von Brodswinden, Höfstetten, Wallersdorf und Gösseldorf zusammengeschlossen und eine eigene Feuerwehr, die „Freiwillige Feuerwehr Brodswinden“ gegründet.
Die 28 Gründungsmitglieder haben erkannt, dass ein wirksamer Feuerschutz für das ausschließlich ländlich strukturierte Gebiet nur in einer Interessengemeinschaft, der Freiwilligen Feuerwehr, erreicht werden kann. Sie haben sich damit den Maximen „Gehorsam und Ordnung, Opferbereitschaft und Pflichtbewusstsein“ unterworfen, mit dem Ziel, sich und anderen zu helfen. Gründungsvorstand war Brauereibesitzer Christian Hecht aus Brodswinden. Der erste Kommandant seinerzeit noch als Hauptmann betitelt war der Müller Leonhard Sperr aus Wallersdorf.
Die Erkenntnis auf Notwendigkeit einer eigenen Feuerwehr hat sich von nun ab allgemein durchgesetzt. Die Fränkische Zeitung (Ansbacher Morgenblatt) berichtete am 8. August 1883 von der mittelfränkischen Kreis-Feuerwehrversammlung: „Zur Zeit bestehen in Mittelfranken 457 Freiwillige Feuerwehren mit 25.500 Mann …“.
Die regelmäßig abgehaltenen Versammlungen fanden meist im Wechsel im „Hecht’schen Brauhaus“ in Brodswinden, im „Steinbauer’schen Wirtshaus“ in Höfstetten oder im „Breit’schen Wirtshaus“ in Wallersdorf statt.
1890 zählte die Wehr 36 Mitglieder (darunter noch 18 Gründungsmitglieder) aus sämtlichen Berufssparten.
Am 1. Januar 1899 wurde die Freiwillige Feuerwehr Brodswinden „unter dem Allerhöchsten Protektorate seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern“ in den Bayer. Landes-Feuerwehr-Verband als Mitglied aufgenommen.
Das erste im Protokollbuch festgehaltene Feuerwehrfest fand am 4. Juni 1899 „auf dem Hecht’schen Keller“ statt; die ersten Ehrendiplome für 15jährige Dienstzeit wurden verliehen.
Wenig später, am 6. Juni 1899 haben die Wehrmänner aus Gösseldorf und Wolfartswinden eine eigene Feuerwehr gegründet und sind deshalb aus der Brodswindener Wehr ausgeschieden.
Im Jahr 1899 waren drei Brandfälle zu verzeichnen:
1. Wohnhaus und Scheune des Joh. Krug, Gösseldorf (18. Mai); 2. Scheune des J. Paul Kernstock, Winterschneidbach (21. August) 3. Scheune des Kaspar Schmidt, Gösseldorf ( 2. November)
Anfang des 20. Jahrhunderts stieg die Mitgliederzahl, trotz des Ausscheidens der Gösseldorfer und Wolfartswindener Wehrmänner auf etwa 50 an.
1906 wurden die ersten Wehrmänner vom Ausrücken enthoben und als passiv geführt.
1909 wurde das 25jährige Jubiläum des Bestehens der Feuerwehr mit der „Seffert’schen“ Musik aus Ansbach festlich begangen. Um die Finanzen war es in dieser Zeit nie recht gut bestellt.
Seit den Bränden von 1899 bis in die 30er Jahre sind keine Feuerbrünste aus den Archiv-Unterlagen ersichtlich.
1928 wurde die Feuerwehr Brodswinden mit einer Motorspritze der Fa. Ludwig, Bayreuth, ausgerüstet und anfangs der 30er Jahre wurden neue Uniformen mit neuen Dienstgradabzeichen sowie ein Signalhorn angeschafft.
Auch an der Feuerwehr Brodswinden gingen die Veränderungen ab dem Jahre 1933 nicht spurlos vorüber. Organisatorisch wurde eine deutliche Ausrichtung nach militärischen Formen erkennbar; Zugführer wurden nicht mehr wie früher gewählt, sondern vom Kommandanten bestimmt und ernannt. 1935 wurden „die Kameraden benannt, welche den Luftschutzkurs besuchen müssen“. Die ersten Nachtalarme wurden abgehalten.
Im März 1936 wurde die Ortsfeuerwehr Gösseldorf wieder in die Gemeindefeuerwehr Brodswinden eingegliedert.
Der Zweite Weltkrieg machte es notwendig, sich auf den Umgang mit Brand- und Phosphorbomben sowie mit kombinierten Spreng- und Brandbomben und deren wirksame Bekämpfung einzustellen. Jedes Haus musste aus diesem Grund einfache Geräte zur Brandbekämpfung vorhalten.
Die ursprünglich lederfarbenen Helme mussten 1943 in matt-roter Farbe gespritzt werden; alle lichtreflektierenden Teile der Uniform (Knöpfe etc.) mussten mattiert werden. Weitere Dokumentationen zu dieser Zeit sind leider nicht vorhanden.
Jedoch soll als Augenzeuge an dieser Stelle Willi Meyer aus Brodswinden kurz zu Wort kommen, der damals 15 Jährige am Einsatz der Brodswindener Wehr bei dem schrecklichen Luftangriff auf die Stadt Nürnberg, im Februar 1945, zusammen mit sechs weiteren Feuerwehrmännern drei volle Tage im Einsatz war:
“Wir sind am Sonntag, den 20. Februar 1945, mit unserer alten Motorspritze, die von einem Schlepper gezogen worden war, mit insgesamt sieben Mann nach Nürnberg ausgerückt und wurden dort zur Feuerbekämpfung am Opernhaus eingesetzt. Der ganze Komplex brannte an allen Ecken und Enden, wie überhaupt die ganze Stadt, soweit man dies wegen der ungeheueren Rauchentwicklung erkennen konnte, ein Bild des Grauens bot. Wir mussten unsere ganzen Kräfte aufbieten, um die vielen Stunden durchzustehen. Erstaunlich war, dass unsere gute, alte Motorspritze, die bei Übungen häufig aus technischen Gründen ausgefallen war, gottlob brav ihren Dienst verrichtete, obwohl sie ununterbrochen 28 Stunden im Einsatz war.
Bei diesem Löscheinsatz gerieten wir noch zusätzliche dadurch in höchste Lebensgefahr, weil wir durch Feuer und eingestürzte Gebäudeteile eingeschlossen worden waren und erst nach sieben Stunden von Wehrmachtshelfern aus dieser gefährlichen Situation gerettet werden konnten. Bevor wir endgültig abrücken konnten, haben wir noch auf das verzweifelte Bitten eines etwa 9jährigen Mädchens, zwei ältere Leute, vermutlich die Eltern oder Großeltern des Kindes, aus den Trümmern eines total zerbombten Hauses gerettet.
Ich glaube, dass sich heute eigentlich niemand mehr so richtig vorstellen kann, welche katastrophalen und wahrhaft grauenvollen Folgen diese Luftangriffe gebracht haben und wieviel Leid und Schrecken die Bevölkerung dadurch hat erdulden müssen! Schon bei der Erinnerung daran überkommt mich heute noch der Schauder!“
Anfang der 50er Jahre entwickelte sich in der FFW Brodswinden wieder neue Aktivität.
Von den Lederhelmen wurde auf stählerne Schutzhelme umgerüstet; 1953 erhielt die Wehr eine neue Motorspritze TS 8/8. Organisatorisch wurde von jetzt an nach Angriffstrupp, Schlauchtrupp und Wassertrupp unterschieden, die Schlagkraft hat sich dadurch erheblich erhöht. Mehrere Feuerwehrleute wurden zum Maschinisten ausgebildet, andere absolvierten Lehrgänge zu Löschmeistern und Oberlöschmeistern.
Anfang der 60er Jahre wurden die ersten Feuerwehr-Leistungsabzeichen erworben, obwohl die allgemeine Bereitschaft, in der Wehr Dienst zu leisten oder gar ein Amt in der Vorstandschaft zu übernehmen, deutlich zurückgegangen war.
Im Oktober 1969 wurde im Rahmen einer Großübung das neue Feuerwehrgerätehaus mit Schlauchtrockenturm eingeweiht. Dort konnte nun auch das im April übergebene Löschfahrzeug LF 16 TS ordentlich untergebracht werden. Im gleichen Jahr wurde ein Löschwasserteich in Wallersdorf errichtet.
1972 wird in Brodswinden eine Sirene installiert, neue Schutzanzüge wurden von der nunmehr zuständigen Stadt Ansbach angeschafft. Durch die Gebietsreform und Eingemeindung zur Stadt Ansbach ist eine Gruppe der Wehr, die Mitglied im Zivilen Bevölkerungsschutz war, aus dieser Einrichtung ausgeschieden.
In den 70er und 80er Jahren musste immer wieder zu verschiedenen Einsätzen ausgerückt werden.
1982 wurde die erste Jugendgruppe mit 9 Jungfeuerwehrleuten gegründet, die unter fachmännischer Anleitung ausgebildet wurden.
Nicht nur durch die ständig steigende Wohnbebauung im Einzugsgebiet der Feuerwehr Brodswinden sondern auch durch die ausgeprägte Ansiedlung von Industrie und Gewerbe im größten Stadtteil Ansbachs wurden die Anforderungen an die Wehr seit Ende der 70er Jahren immer höher. Dadurch wurde die Aus- und Fortbildung der Feuerwehrmänner und mittlerweile auch Feuerwehrfrauen immer wichtiger. Nicht nur die Brandbekämpfung sondern auch der Umgang mit gefährlichen Stoffen etc. oder die technische Hilfeleistung gehören zum Spektrum der Ausbildung.
1983 wurde das 100jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Brodswinden mit einem großen Festakt im Bierzelt gefeiert. 1993 konnte das 110jähre Bestehen gefeiert werden.
Trotz der zahlreichen Einsätze und des zeitintensiven Übungsgeschehens bleibt noch Raum für die genauso wichtigen geselligen Veranstaltungen. Für das gesellschaftliche Leben in Brodswinden und Umgebung zeichnet die Feuerwehr vor allem für das Maibaumaufstellen mit Maifeier am Dorfplatz sowie das Abhalten einer Sonnwendfeier mit Feldgottesdienst als verantwortlich.
Die Ausbildung nach Feuerwehrdienstvorschrift 2/2 (Truppmann/Truppführer – Grundausbildung) sowie die der Maschinisten und Atemschutzgeräteträger wird durch die Kameraden der Feuerwehr Ansbach Stadt (Stützpunktfeuerwehr) durchgeführt. Die Gruppen- und Zugführerausbildung findet an der staatl. Feuerwehrschule in Würzburg statt.
Wichtige Grundkenntnisse werden bereits durch fachlich versierte Kameraden den Mitgliedern der Jugendgruppe vermittelt, die im September 1997 wieder auflebte und bis heute mit großem Erfolg fortgeführt wird.

1999 wurde in Eigenleistung durch die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr und durch die finanzielle Unterstützung der Stadt Ansbach das Feuerwehr-Gerätehaus angebaut. Damit wurde erreicht, dass die Schutzanzüge nicht mehr in der Fahrzeughalle aufbewahrt werden mussten. Entsprechende Umkleideräume ein Aufenthaltsraum und erforderliche Sanitärräume konnten geschaffen werden.
Zur Zeit befinden sich in unserer Fahrzeughalle ein LF 16 TS, ein TLF 16/12 sowie ein TSF um den oben schon erwähnten hohen Anforderungen gerecht werden zu können. Hinzu kommt der hohe Ausbildungsstand der Feuerwehr Brodswinden (Zugführer, Gruppenführer, Atemschutzgeräteträger, Truppmann-/Truppführerausbildung, Maschinisten etc.). Zudem sind einige Kameraden bei der Stadtteilwehr-übergreifenden Unterstützungsgruppe DEKON-P (Dekontamination Personen) eingebunden.
Abschließend wird noch bemerkt, dass jede aktive Feuerwehrfrau und jeder aktiver Feuerwehrmann einen beachtlichen Teil seiner Freizeit ohne finanziellen Ausgleich – oft auch unbemerkt von der Öffentlichkeit – für das Gemeinwohl zur Verfügung stellt. Dies ist gerade in unserer Zeit, in welcher der Begriff „Freizeit“ einen sehr hohen Stellenwert besitzt, nicht hoch genug zu bewerten.
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